Zwinger

Der Zwinger ist das Juwel der Barockmetropole Dresden, beispielhaft für die Prunksucht August des Starken, eine architektonische Meisterleistung, die zu den großen Bauwerken der Welt gehört. Mit Planung und Bau des Zwingers hatten 1709 der Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann und der Bildhauer Balthasar Permoser begonnen. Unter Leitung von Balthasar Permoser wirkten auch Johann Joachim Kretschmar, Johann Christian Kirchner und Johann Paul Egell . August der Starke hoffte nach dem Tod Kaiser Joseph des I. auf die Kaiserkrone, deshalb trieb er zu dieser Zeit den Zwinger - Bau besonders energisch voran. Als diese Hoffnung zerrann, ließ seine Interesse an diesem Bau nach. August der Starke wandte sich jetzt finanzierbaren Projekten wie Schloss Pillnitz und Jagdschloss Moritzburg zu.

Der Bau des Zwingers, eines einmaligen Komplexes in Europa, war 1732 beendet. Während des Siebenjährigen Krieges dienten die Pavillons und Galerien als preußisches Truppenmagazin. Schwere Schäden waren 1813 und im Revolutionsjahr 1849 angerichtet worden. Nach dem Bombenangriff am 13. Februar 1945 war der Zwinger fast vollkommen vernichtet. Anhand alter Baupläne und Fotografien erfolgte jedoch 1946 - 1963 sein Wiederaufbau . Im Ostflügel befinden sich rechts die Gemäldegalerie Alte Meister und links das Historische Museum. Im Norden des Zwinger - Komplexes gibt es den Wallpavillon, im Süden den Glockenspielpavillon. Der Wallpavillon ist von zwei Eckbauten eingegrenzt. Links sind der Mathematisch - Physikalische Salon sowie das Museum für Tierkunde und rechts das Nymphenbad mit seinen Kaskadenkompositionen, die sich auf der Rückseite des Französischen Pavillons befinden. Gegenüber dem Ostflügel steht das Kronentor mit seinen Langgalerien, neben dem Glockenspielpavillon befindet sich eine Porzellansammlung.

Das Kronentor wurde 1714 - 18 errichtet und ist einer der architektonischen Höhepunkte des Zwingers, denen der Baukomplex seinen Weltruhm verdankt. Pöppelmann knüpfte mit dem Bau an Werke des italienischen Hochbarock und an Entwürfe J.B. Fischers von Erlach an. Das Kronentor, das als "Triumphbogen" bzw. "Herkulestor" gebaut wurde, ist mit vielen Bildwerken hervorragender Qualität verziert, die von Balthasar Permoser, Johann Joachim Kretzschmar und Johann Paul Egell stammen. Die wichtigsten darunter sind Vulkan und Ceres von Permoser, Bacchus von Kretzschmar und Pomona von Egell, alle als Original . Das Obergeschoss mit seiner nach vier Seiten geöffneten Halle macht einen Eindruck der Leichtigkeit. Auf der Attika befinden sich zwölf Skulpturen verschiedener Themenkreise um Herkules und die Jahreszeiten, die wahrscheinlich jedoch zuerst für ein anderes Gebäude vorgesehen waren. Die Kuppel, die mit Kupferblech bedeckt ist, dient als Träger von vier polnischen Adlern und der Königskrone.

Der Wallpavillon wurde 1716 - 17 errichtet. Mit diesem Bau erreichte Matthäus Daniel Pöppelmann als Architekt den Höhepunkt seiner Ausdruckskraft. Das Gebäude befindet sich im Norden des Zwingerkomplexes und besteht aus Fenstern und Schäften. Die künstlerische Ausstattung ist in zwei Ebenen veranschaulicht: der Wallpavillon dient der Darstellung von Kräften der Natur. Im Kontrast dazu werden auch die Welten von Mythologie und Politik dargestellt. Die Ecksskulpturen des Pavillons künden vom Ruhm des Kurfürsten. Die Skulpturen stellen August den Starken dar, der Polens Krone in den Händen hält. August der Starke in der Rolle des Paris ist von Juno, Minerva und Venus umgeben. Diese drei Göttinnen sind mit Hera, Athene und Aphrodite personifiziert und symbolisieren die Macht, die Weisheit und die Liebe. Andere Skulpturen auf der Attika stellen die vier Winde dar, die den Ruhm des Herrschers in alle vier Himmelsrichtungen tragen. Diese Skulpturen wurden von Johann Christian Kirchner geschaffen. Im Mittelgiebel befindet sich das sächsisch - polnische Wappen mit den Initialen A.R. (Augustus Rex) und der von Balthasar Permoser geschaffene "Herkules Saxonicus", der die Weltkugel trägt.

Der Mathematisch - Physikalische Salon befindet sich auf der linken Seite des Wallpavillons. Er wurde 1730 unter August dem Starken als Museum errichtet. Den Grundstock des Museums bilden die Sammlungen aus dem 16. Jahrhundert. Dadurch ist dieses Museum eines der ältesten technisch - wissenschaftlichen Museen der Welt. Es verfügt heute über 2000 kulturhistorisch bedeutende Instrumente der Mathematik, Physik, Astronomie, Geodäsie und Metrologie aus dem 13. - 19. Jahrhundert. Die Sammlung von Erd- und Himmelsgloben ist die bedeutendste in Deutschland . Zu den wertvollsten Exponaten gehört der arabische Himmelsglobus von 1279 aus der persischen Sternwarte Meragha. Im Mathematisch - Physikalischen Salon befindet sich auch die Uhrensammlung, die über eine 1,35 m hohe astronomische Kunstuhr aus dem 16. Jahrhundert verfügt. Im Museum werden auch die in Sachsen hergestellten optischen Linsen und der 1,80 m große Hohlspiegel aufbewahrt.

Das Porzellanmuseum wurde 1717 von August dem Starken gegründet. International wird das Museum nur von der Sammlung des Serail in Istanbul übertroffen. Einzigartig im Porzellanmuseum im Dresdner Zwinger sind die Bestände an frühem chinesischen, japanischen und koreanischen Porzellan sowie die Sammlung zur Geschichte des Meißener Porzellans. Dort sind auch die ersten Versuche Böttgers bei der Porzellanherstellung zu sehen. Ebenfalls findet man hier auch die "Dragonervasen", Deckelvasen von einem Meter Höhe mit blauer Unterglasurmalerei sowie den Entwurf für ein Reiterdenkmal Augusts des Starken und den Porzellanblumenstrauß.

Das Historische Museum wurde 1932 gegründet und ging aus kurfürstlicher Rüst- und Harnischkammer hervor. Der Name des Museums kann irreführen, weil es sich nicht um ein Geschichtsmuseum handelt, sondern um eine kostbare Sammlung von Harnischen, Blank- und Feuerwaffen. Die Zahl der Exponate beträgt fast 15000. Zu den bekanntesten unter ihnen zählen das Kurschwert Friedrichs des Streitbaren aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert, der Prachtharnisch Christians des II. aus ersten Hälfte des 17. Jahrhundert und das Krönungsornat Augusts des Starken aus dem 17. Jahrhundert.

Die Gemäldegalerie Alte Meister mit dem Bau der Galerie erfolgte im Zwingerbereich eine weitgehende Konzentration von berühmten Kunstsammlungen. Die Exponate gehen aus der 1560 von Kurfürst August eingerichteten Kunstkammer hervor und erlangten unter August dem Starken und Friedrich August dem II. durch die Aufwendung großer finanzieller Mittel europäische Geltung. In der "Augusteischen Zeit" wurden 4000 Gemälde, ausschließlich Originale, erworben . Das waren Werke aus Italien, Frankreich und den Niederlanden, hinzu kamen auch 268 Wallensteinsche Werke, gekauft von der Galerie in Dux. Diese Sammlung wurde dann durch 69 Bilder aus der kaiserlichen Galerie in Prag und 100 Gemälde aus der Sammlung des Herzogs von Modena ergänzt. Letztere werden heute als bedeutendster Ankauf gewertet. Unter ihnen sind Werke von Tizian sowie Arbeiten von Rubens und Holbein. Vom Kloster Piacenza wurde 1754 das von Raffael gemalte Bild die "Sixtinische Madonna" gekauft, was wesentlich den Ruhm der Dresdner Sammlungen vergrößerte. Zu den Aufkäufen gehörten auch Arbeiten von Bernardo Bellotto genannt Canaletto, der seit 1747 Hofmaler war und monatlich ein Bild liefern musste . Die Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister im Dresdner Zwinger umfasst die bedeutendsten Werke der italienischen Renaissancemalerei sowie der flandrischen und holländischen Malerei des 15. - 17. Jahrhunderts. Vertreten sind auch die spanische und französische Malerei des 17. - 18. Jahrhunderts und die deutsche Malerei vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Durch diese Vielfalt von Malerei und Fülle von großen Meistern, deren Werke in der Galerie ausgestellt sind, zählt die Dresdner Gemäldegalerie zu den bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt.

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